Ein Gespräch unter Nachbarn.

Die Frage, ob Bosnisch, Montenegrinisch, Kroatisch und Serbisch letztlich nur Varianten einer ‚gemeinsamen‘ plurizentrischen Sprache sind oder doch eigenständig, lässt sich wohl nur politisch beantworten. Fest steht, dass sich alle in der Region sprachlich zu 99% verstehen. Darüber herrscht Einigkeit.

Doch der Jugend wird kaum noch vermittelt, dass im Nachbarstaat im Grunde die gleiche Sprache gesprochen wird. Was bedeutet das kulturell für diesen jahrhundertealten ‚Sprachraum‘, und was sagen die DichterInnen dazu? Was ist heute (noch) einheimische Literatur und was verbindet man mit ihr? Was bedeutet es, wenn es in ‚einem‘ Sprachraum keine Distribution von Büchern mehr gibt? Wie sieht heute die Zusammenarbeit zwischen AutorInnen und VerlegerInnen der Region aus? Wie läuft die gegenseitige Wahrnehmung der DichterInnen der ‚gemeinsamen‘ Sprache? Der Austausch der kulturellen Szenen? Was passiert mit einem Kulturraum, wenn jahrzehntelang sprachpolitisch nur die identifikatorischen Funktionen der Sprache zum Einsatz kommen und nicht die kommunikativen? Die AutorInnen Senka Marić, Ivana Bodrožić, Kralj Čačka und Dejan Ilić diskutieren über diese Fragen und lesen aus ihren Texten.

Lesung und Gespräch auf Bosnisch, Kroatisch und Serbisch mit deutschen Untertiteln.

Projektleitung: Sladjana Strunk

Spracharchipel I: Ex-YU – Unsere Sprache(n) wird freundlich unterstützt vom Übersetzernetzwerk Traduki, dem Goethe-Institut Belgrad und dem Österreichischen Kulturforum.

Anmerkungen:

08:21 Luis de Camões (1524/25 – 1579/80), portugiesischer Dichter der Renaissance, der als wichtigster Dichter der portugiesischen Sprache gilt
08:46 Eurozentrismus: Blick auf die Welt, der die europäische Realität als Mittelpunkt nimmt und außereuropäische Realitäten ausblendet. Das gilt auch für den Blick auf die (oft koloniale) Geschichte.
11:34 Der Kanon in der Literatur sind die Werke, denen (aber von wem???) eine wesentliche, normsetzende und zeitüberdauernde Stellung in der Literaturgeschichte zugeschrieben wird.
12:45 Eine der Figuren (Heteronyme) des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa (1888-1935) mit eigenem Stil und Schwerpunkt innerhalb von Pessoas Werk.
12:52 Tejo: mit ca. 1007 km der längste Fluss auf der Iberischen Halbinsel, der in Portugal in den Atlantik mündet
14:13 Roberto Bolaño (1953-2003), chilenischer Dichter und Schriftsteller
14:21 Methodologie: Lehre der (bei bestimmten Tätigkeiten verwendeten) Methoden
15:13 Ein hermetischer Text wäre ein nicht leicht zugänglicher, in seinen Bildern und Bedeutungen nicht ohne weiteres „verständlicher“ Text
15:57 Walter Benjamin (1982-1940) deutscher Philosoph und Übersetzer. „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ ist der Titel eines Aufsatzes, den 1935 im Pariser Exil verfasste.
16:55 Literatura del Cordel: „Schnurliteratur“, eine in kleinformatigen Heften erscheinende Form brasilianischer Literatur des Nordostens, die oft in Versen verfasst, einheimische Legenden, afrikanische Erzähltraditionen sowie Einflüsse europäischer Einwanderer aufnahm. Es wurde die Sprache der „einfachen“ Bevölkerung verwendet, grammatikalische Regeln ignoriert und neue Wörter geschaffen. Die Hefte wurden an den Verkaufsstellen mit Klammern an Schnüren befestigt, was zu ihrem Namen führte. Poesia Concreta: Richtung der Poesie, die in Brasilien ab Mitte der 50er Jahre eine großen Einfluss auf alle Künste ausübte, und die unter anderem (und sehr vereinfacht gesagt) dem Wort und seiner graphischen Anordnung auf der Seite genau so viel Bedeutung beimisst wie dem Inhalt des Wortes.

Johannes Jansens (geboren 1966 in Ost-Berlin) Rede zur Poesie ist ein Text in 34 Prosaminiaturen, in denen eine Poetik des Ausnahmezustandes entworfen wird. Es geht um die Angst, die in den Formen sitzt, und um den „Groll wider die Welt“. Es geht aber auch um epiphanische Momente des Herausgehobenseins aus dem Alltag, die einen deutlichen Zug ins Mystische aufweisen.

Mit Johannes Jansen, Dichter (DEU)

Die „dezent geheiligte Botschaft“ der Rede verweist auf Jansens Nähe zu AutorInnen wie Simone Weil, Angelus Silesius und den Rilke des Stundenbuchs und der Orpheus-Sonette. Mit einer in der Tiefe ankernden Klarheit werden die „hellen Momente“ beschrieben, in denen „Reibung entsteht und was klein ist das Wort führt“. Vom ernsten Spiel der Ordnung ist die Rede und vom klaren Gedanken, der den „Haushalt bestimmt“. Der Dichter wird als Überträger gedacht, der die Literatur für die LeserInnen zum Erlebnis werden lässt. Diese Rede erlaubt es ihnen, in sein durchsichtiges Hirn zu blicken und es dabei zu beobachten, „wie es auflädt und abstrahlt“.

Ergebnis einer Isolation / Outcome of an Isolation erscheint zur Veranstaltung auf Deutsch und Englisch (übersetzt von Shane Anderson) im Wallstein Verlag (13,90€). Deutschlandfunk Kultur sendet einen Mitschnitt der Rede.

Rede auf Deutsch mit englischen Untertiteln.

Projektleitung: Matthias Kniep

Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet, wird in seinem Vortrag einen Blick auf Europas (Sprachen-)Vielfalt aus der Position ihrer türkischen Nachbarschaft und der Innensicht des in Europa Exilierten werfen.

Vortrag von Can Dündar, Journalist und Autor (TUR/DEU)

Europa wird oft als eine geschichtlich-kulturelle Geschichtsgemeinschaft, ein ökonomischer Raum oder eine politisch-bürokratische Organisation wahrgenommen. Blickt man auf die Dichtung Europas, erkennt man eher einen Kontinent überbordender Vielseitigkeit, die auf keinen gemeinsamen Nenner zu bringen ist. Das gegenwärtige Europa wird zunehmend pluralistischer, was sich in der Diversität der Lebensformen, der Bräuche und Traditionen und der Sprachen zeigt. Zwar gibt es in Europa weniger Sprachen als in anderen Kontinenten, aber sie treffen auf engem Raum aufeinander. Weit über 140 Sprachen werden hier gesprochen, dazu kommt eine Vielzahl von Dialekten und Soziolekten. Und nichts steht still: Die Sprachen beeinflussen sich, Mehrsprachigkeit nimmt zu, neue Sprachen fassen durch Migration an bislang fremdem Ort Fuß.

Das FORUM widmet sich den Schönheiten, Problemen und Herausforderungen dieser sprachlichen Vielfalt innerhalb Europas und über seine Grenzen hinaus. Was bedeutet sprachliche Differenz in einem gemeinsamen politischen Handlungsraum wie der Europäischen Union? Wie ambivalent ist die Vielheit der Sprachen zwischen Beförderung von Nationalismen und Anerkennung regionaler Unterschiede? Wie schaffen und zerstören Sprachen Gemeinschaften? Welche Rolle spielt Vielsprachigkeit für die Resilienz demokratischer und offener Gesellschaften? Wie gehen DichterInnen mit ihrer Mehrsprachigkeit um, die große und kleinere Sprachen Europas umfasst?

Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet, wird in seinem Vortrag einen Blick auf Europas (Sprachen-)Vielfalt aus der Position ihrer türkischen Nachbarschaft und der Innensicht des in Europa Exilierten werfen. In der Paneldiskussion werden Kristina Cunningham, Levke King-Elsner, Jürgen Trabant und Zoltán Danyi über Ambivalenzen des Sprachenreichtums, gesellschaftliche und politische Entwicklungen sowie Übersetzungsaufgaben für die EU ins Gespräch kommen. Die DichterInnen Roberta Dapunt, Aurélia Lassaque, Nikola Madzirov, Johan Sandberg McGuinne und Elan Grug Muse bringen ihre Lyrik und essayistischen Sprachportraits auf Ladinisch, Okzitanisch, Mazedonisch, Süd-Samisch, Walisisch zu Gehör und tauschen sich über Minderheitensprachen und ihr Verhältnis zu verbreiteteren Sprachen in der Poesie aus.

Rede auf Türkisch mit deutschen Untertiteln.
Projektleitung: Asmus Trautsch

FORUM: Europas Vielfalt hat keine Haut wird freundlich unterstützt durch das Berliner Künstlerprogramm des DAAD, die Schwedische Botschaft, Arts Council Wales und Literature Across Frontiers.

In der Paneldiskussion werden Kristina Cunningham, Levke King-Elsner, Jürgen Trabant und Zoltán Danyi über Ambivalenzen des Sprachenreichtums, gesellschaftliche und politische Entwicklungen sowie Übersetzungsaufgaben für die EU ins Gespräch kommen.

Paneldiskussion mit Kristina Cunningham, Europäische Kommission, Generaldirektion Bildung und Kultur (SWE/BEL) | Levke King-Elsner, Referatsleiterin in der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission (DEU/BEL) | Jürgen Trabant, Sprachwissenschaftler (DEU) | Zoltán Danyi, Dichter und Autor (SRB) | Moderation: Asmus Trautsch, Lyriker und Philosoph (DEU)

Europa wird oft als eine geschichtlich-kulturelle Geschichtsgemeinschaft, ein ökonomischer Raum oder eine politisch-bürokratische Organisation wahrgenommen. Blickt man auf die Dichtung Europas, erkennt man eher einen Kontinent überbordender Vielseitigkeit, die auf keinen gemeinsamen Nenner zu bringen ist. Das gegenwärtige Europa wird zunehmend pluralistischer, was sich in der Diversität der Lebensformen, der Bräuche und Traditionen und der Sprachen zeigt. Zwar gibt es in Europa weniger Sprachen als in anderen Kontinenten, aber sie treffen auf engem Raum aufeinander. Weit über 140 Sprachen werden hier gesprochen, dazu kommt eine Vielzahl von Dialekten und Soziolekten. Und nichts steht still: Die Sprachen beeinflussen sich, Mehrsprachigkeit nimmt zu, neue Sprachen fassen durch Migration an bislang fremdem Ort Fuß.

Das FORUM widmet sich den Schönheiten, Problemen und Herausforderungen dieser sprachlichen Vielfalt innerhalb Europas und über seine Grenzen hinaus. Was bedeutet sprachliche Differenz in einem gemeinsamen politischen Handlungsraum wie der Europäischen Union? Wie ambivalent ist die Vielheit der Sprachen zwischen Beförderung von Nationalismen und Anerkennung regionaler Unterschiede? Wie schaffen und zerstören Sprachen Gemeinschaften? Welche Rolle spielt Vielsprachigkeit für die Resilienz demokratischer und offener Gesellschaften? Wie gehen DichterInnen mit ihrer Mehrsprachigkeit um, die große und kleinere Sprachen Europas umfasst?

Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet, wird in seinem Vortrag einen Blick auf Europas (Sprachen-)Vielfalt aus der Position ihrer türkischen Nachbarschaft und der Innensicht des in Europa Exilierten werfen. In der Paneldiskussion werden Kristina Cunningham, Levke King-Elsner, Jürgen Trabant und Zoltán Danyi über Ambivalenzen des Sprachenreichtums, gesellschaftliche und politische Entwicklungen sowie Übersetzungsaufgaben für die EU ins Gespräch kommen. Die DichterInnen Roberta Dapunt, Aurélia Lassaque, Nikola Madzirov, Johan Sandberg McGuinne und Elan Grug Muse bringen ihre Lyrik und essayistischen Sprachportraits auf Ladinisch, Okzitanisch, Mazedonisch, Süd-Samisch, Walisisch zu Gehör und tauschen sich über Minderheitensprachen und ihr Verhältnis zu verbreiteteren Sprachen in der Poesie aus.

Lesung und Gespräch auf Englisch mit deutschen Untertiteln.

Projektleitung: Asmus Trautsch

FORUM: Europas Vielfalt hat keine Haut wird freundlich unterstützt durch das Berliner Künstlerprogramm des DAAD, die Schwedische Botschaft, Arts Council Wales und Literature Across Frontiers.

DichterInnen bringen ihre Lyrik und essayistischen Sprachportraits auf Ladinisch, Okzitanisch, Mazedonisch, Süd-Samisch, Walisisch zu Gehör und tauschen sich über Minderheitensprachen und ihr Verhältnis zu verbreiteteren Sprachen in der Poesie aus.

Lesung & Gespräch mit Roberta Dapunt, Dichterin (ITA) | Aurélia Lassaque, Dichterin (FRA) | Nikola Madzirov, Dichter, Essayist und Übersetzer (MKD) | Johan Sandberg McGuinne, Autor, Dichter und Übersetzer (SWE) | Elan Grug Muse, Dichterin und Essayistin (GBR) | Moderation: Asmus Trautsch, Lyriker und Philosoph (DEU)

Europa wird oft als eine geschichtlich-kulturelle Geschichtsgemeinschaft, ein ökonomischer Raum oder eine politisch-bürokratische Organisation wahrgenommen. Blickt man auf die Dichtung Europas, erkennt man eher einen Kontinent überbordender Vielseitigkeit, die auf keinen gemeinsamen Nenner zu bringen ist. Das gegenwärtige Europa wird zunehmend pluralistischer, was sich in der Diversität der Lebensformen, der Bräuche und Traditionen und der Sprachen zeigt. Zwar gibt es in Europa weniger Sprachen als in anderen Kontinenten, aber sie treffen auf engem Raum aufeinander. Weit über 140 Sprachen werden hier gesprochen, dazu kommt eine Vielzahl von Dialekten und Soziolekten. Und nichts steht still: Die Sprachen beeinflussen sich, Mehrsprachigkeit nimmt zu, neue Sprachen fassen durch Migration an bislang fremdem Ort Fuß.

Das FORUM widmet sich den Schönheiten, Problemen und Herausforderungen dieser sprachlichen Vielfalt innerhalb Europas und über seine Grenzen hinaus. Was bedeutet sprachliche Differenz in einem gemeinsamen politischen Handlungsraum wie der Europäischen Union? Wie ambivalent ist die Vielheit der Sprachen zwischen Beförderung von Nationalismen und Anerkennung regionaler Unterschiede? Wie schaffen und zerstören Sprachen Gemeinschaften? Welche Rolle spielt Vielsprachigkeit für die Resilienz demokratischer und offener Gesellschaften? Wie gehen DichterInnen mit ihrer Mehrsprachigkeit um, die große und kleinere Sprachen Europas umfasst?

Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet, wird in seinem Vortrag einen Blick auf Europas (Sprachen-)Vielfalt aus der Position ihrer türkischen Nachbarschaft und der Innensicht des in Europa Exilierten werfen. In der Paneldiskussion werden Kristina Cunningham, Levke King-Elsner, Jürgen Trabant und Zoltán Danyi über Ambivalenzen des Sprachenreichtums, gesellschaftliche und politische Entwicklungen sowie Übersetzungsaufgaben für die EU ins Gespräch kommen. Die DichterInnen Roberta Dapunt, Aurélia Lassaque, Nikola Madzirov, Johan Sandberg McGuinne und Elan Grug Muse bringen ihre Lyrik und essayistischen Sprachportraits auf Ladinisch, Okzitanisch, Mazedonisch, Süd-Samisch, Walisisch zu Gehör und tauschen sich über Minderheitensprachen und ihr Verhältnis zu verbreiteteren Sprachen in der Poesie aus.

Lesung und Gespräch auf Englisch mit deutschen Untertiteln.

Projektleitung: Asmus Trautsch

FORUM: Europas Vielfalt hat keine Haut wird freundlich unterstützt durch das Berliner Künstlerprogramm des DAAD, die Schwedische Botschaft, Arts Council Wales und Literature Across Frontiers.

Weltklang – Nacht der Poesie ist die vielstimmige Eröffnung des poesiefestival berlin – dieses Jahr im Videoformat online. DichterInnen aus allen Teilen der Welt lesen, singen und performen in ihren sieben Muttersprachen. Sie zeigen den Reichtum der Gegenwartslyrik, ihre inhaltliche Vielfalt, die Bandbreite ihrer Ansätze und Stile. Die deutschen Übersetzungen werden eingeblendet, viele Gedichte wurden für Weltklang erstmalig übertragen.

Mit den DichterInnen Ichiko Aoba (JPN) | Ben Lerner (USA) | Hannah Lowe (GBR) | Valzhyna Mort (BLR/USA) | Chus Pato (Galicien/ESP) | Marieke Lucas Rijneveld (NLD) | Marko Tomaš (BIH) | Peter Waterhouse (AUT) | Judith Zander (DEU) | Moderation: Christian Metz, Literaturkritiker (DEU)

Ichiko Aoba (geboren 1990 in Japan) ist eine japanische Singer-Songwriterin, Installationskünstlerin und Produzentin von Theatermusik. Sie schreibt eine Art „Fantasy Folk“: sphärisch, spartanisch, intim. Inspiration zu ihren bildreichen, komplexen Lyrics findet sie nicht selten in den Out-of-Body-Erfahrungen ihrer Träume. Ihr neuestes Album, „Windswept Adan“, ist, sagt sie selbst, „ein Soundtrack für einen fiktiven Film“.

Ben Lerner (geboren 1979 in Topeka, USA) wurde als Lyriker mit drei Bänden, die in den Nuller Jahren in kurzer Folge erschienen, weltberühmt. Seine Gedichte sind instabile Gebilde, die in Bereiche der Flugtechnik und des Subatormaren vordringen. In den typischen Lerner-Sound werden endlos Fachsprachen und Soziolekte eingespeist, bis auf dem Papier Texte entstehen, die so kunstvoll und überraschend sind wie Hochspannungsentladungen auf isolierendem Material. „Das ist aus Poesie erzeugte Poesie, kühn niedergeschrieben von einem entfesselten Geist“ (C.D. Wright).

Hannah Lowe (geboren 1975 in Ilford, UK) hat zwei Gedichtbände veröffentlicht, „Chick“ und „Chan“. Ein dritter, „The Kids“, erscheint im Herbst dieses Jahres. Lowe taucht in ihren Texten ein in eine Welt der Londoner Jazzclubs und Spielhöllen. Sie schreibt über den legendären Magier Chan Canasta, den Altsaxophonisten Joe Harriott und ihren chinesisch-jamaikanischen Vater, der in den 40er Jahren von Kingston nach Liverpool kam und seine Familie mit professionellem Glücksspiel ernährte.

Valzhyna Mort (geboren 1981 in Minsk, Belarus) schreibt auf Belarussisch und Englisch und lebt in den USA. Sie liest aus ihrem soeben auf deutsch erschienenen Band „Musik für die Toten und Auferstandenen“, der im Original auf der Shortlist für den renommierten Griffin Prize 2021 steht. Der große polnische Dichter Adam Zagajewski schrieb über Morts Werk: „Diese Gedichte sind nicht nur bewegend, sie verrichten die elementarste Arbeit der menschlichen Sprache. Sie erheben das Elende, das Barbarische, das Gefühllose auf die Ebene eines universellen Idioms von Weisheit und Anmut.“

Chus Pato (geboren 1955 in Ourense, Galicien) ist eine der repräsentativsten Stimmen der zeitgenössischen galicischen Dichtung. Ihre Werke gehen über jeden traditionellen Begriff von Poesie hinaus. Sie verwendet unterschiedlichste Textsorten, um eine Vielzahl von Stimmen in ihr Schreiben zu integrieren. Pato gestaltet mit jedem Buch neu, was wir über die Möglichkeiten von poetischen Texten denken, über Worte, Körper, den politischen und literarischen Raum, und über die Konstruktion von uns selbst als Individuum, Gemeinschaft, Nation, Welt.

Marieke Lucas Rijneveld (geboren 1991 in Nieuwendijk, Niederlande) wurde vor dem Welterfolg mit dem Roman „Was man sät“ (Suhrkamp Verlag 2019) mit zwei Gedichtbänden bekannt. Rijneveld liest eine Auswahl aus diesen Bänden. Es sind Texte über das Erwachsenwerden und die Allgegenwart des Todes, über das Rätsel der mehrgeschlechtlichen Schnecke, über das Schiefstehen in der Welt und die dringende Empfehlung, niemals die hauchdünnen Flügel eines Totenkopfschwärmers anzupusten.

Marko Tomaš (geboren 1978 in Ljubljana, Slowenien) zählt zu den bekanntesten Dichtern der westlichen Balkanregion. Seine hochpolitische Lyrik, die ihre Sensibilität oft hinter einem flapsigen Gestus versteckt, wurde schon mit den Gedichten des jungen Leonard Cohen verglichen. 2020 war sein Roman „Nemoj me buditi“ (dt. Weck mich nicht auf) eines der meistverkauften Bücher in Kroatien. Auf Deutsch ist sein Werk noch zu entdecken.

Peter Waterhouse (geboren 1956 in Berlin) unternimmt in seinem Schreiben nichts weniger als den Versuch einer romantischen Repoetisierung der Welt. Für Weltklang liest er zwei längere Gedichte. „Memorial“ erzählt den Roman „David Copperfield“ vom Rand her neu, indem eine Nebenfigur, der Hausgast von Davids Tante, ins Zentrum gesetzt wird. „Geht nicht mit dem Wassermann“ spielt kunstvoll mit Motiven aus Goethes Wald- und Wasserdrama „Die Fischerin“.

Judith Zanders (geboren 1980 in Anklam) Sprache ist anspielungsreich und durchsetzt mit Partikeln aus Popmusik und Mecklenburger Platt. In ihrem Lyrikdebüt „oder tau“ entwirft sie eine dörfliche Sprach-Welt, von der Blutsuppe über die Kuckusspucke bis hin zu den „bierbüchsenausläufern“ am Ortsrand. Ihr zweiter Band „manual numerale“ entführte die LeserInnen „längs der ausgeschlichenen wege“ in eine urbane Welt der ausgelassenen Märznachtchosen. Für Weltklang liest Zander bisher unveröffentlichte Gedichte.

Lesung auf Deutsch, Kroatisch, Niederländisch, Galicisch, Belarussisch, Englisch und Japanisch mit deutschen Untertiteln.

Auf der Festivalwebsite sind zusätzlich schriftliche Poesiegespräch online mit: Ichiko Aoba, Ben Lerner, Hannah Lowe, Valzhyna Mort, Chus Pato, Marieke Lucas Rijneveld and Marko Tomaš.

Weltklang – Nacht der Poesie wird freundlich unterstützt durch das Auswärtige Amt, die Kulturstiftung Schloss Wiepersdorf, die Botschaft des Königreichs der Niederlande, den Nederlands Letterenfonds / Dutch Foundation for Literature, die Botschaft der USA und das Österreichische Kulturforum.

FR 30.6. | 19.30 Uhr

Lyrikkritikvideos von Noha Abdelrassoul (Saarbrücken) | Alexander Estis (Aarau) | Ricarda Fait (Berlin) | Mariëlle Matthee (Leiden/Berlin) | May Mergenthaler (Columbus, OH/Berlin) | Martin Piekar (Frankfurt) | Şafak Sarıçiçek (Heidelberg) | Erec Schumacher (Berlin) | Lilith Tiefenbacher (Berlin) | Moderation: Asmus Trautsch (Berlin)

„Man ist eigentlich nie auf der sicheren Seite: nicht im Dichten und nicht in der Kritik“, so Roberto Galaverni, der Lyrikkritiker des Corriere della Serra, der den letzten Workshop der Akademie leitete. Vielleicht hat die neuere Entwicklung in Sachen Lyrik und Kritik diese zutreffende Einsicht in der Kritiklandschaft verstärkt. In Italien ist jedenfalls wie in Deutschland die Zeit der sogenannten Großkritiker, die die Lyrikdebatten des 20. Jahrhunderts prägten, vorbei. Und wie hier ist im Zuge der Digitalisierung die lyrikkritische Öffentlichkeit diverser, unübersichtlicher und qualitativ durchmischter geworden: Mehr Menschen aus unterschiedlichen Kontexten reagieren reflektierend und urteilend auf Dichtung. Zeit, sich die zeitgenössische Poesie Italiens genauer anzuschauen. Das haben die TeilnehmerInnen der Akademie für Lyrikkritik gemacht, die zum Halbjahresabschluss des Hauses für Poesie ihre vorerst letzten Videolyrikkritiken mit Landesfokus vorstellen. Nach der Sommerpause wird die Akademie im September mit intermedialen Perspektiven fortgesetzt.

Die Akademie für Lyrikkritik am Haus für Poesie wird aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds gefördert. Mit freundlicher Unterstützung vom Italienischen Kulturinstitut Berlin und Literaturport.