Mit Elke Erb Autorin, Berlin | Steffen Popp Autor, Berlin | Monika Rinck Autorin, Berlin | Moderation Maren Jäger Literaturwissenschaftlerin, Berlin

Die Dichterin Elke Erb wird Ende Oktober mit dem bedeutendsten deutschen Literaturpreis ausgezeichnet: dem Georg-Büchner-Preis. In der Jury-Begründung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung heißt es, Erb gelinge es wie keiner anderen, „die Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache zu verwirklichen, indem sie sie herausfordert, auslockert, präzisiert, ja korrigiert“. Zeitgleich zur Preisverleihung erscheint mit Das ist hier der Fall in der Bibliothek Suhrkamp eine großzügige Auswahl ihrer Gedichte, die von Monika Rinck und Steffen Popp herausgegeben wird. Sich auf Gedichte von Elke Erb (geboren 1938 in Scherbach) einzulassen bedeute, so die HerausgeberInnen in ihrem gemeinsamen Nachwort, auf eine je eigene Weise selbst zu gehen, die gedanklichen und sprachlichen Schritte des Textes selbst zu machen und die Einsichten und Klärungen, die sich aus ihnen ergeben, selbst zu entwickeln. Die sehr persönliche, kenntnisreiche Auswahl umfasst Texte aus sechs Jahrzehnten. Sie begleitet die Dichterin durch alle lyrischen Schaffensphasen bis hin zu ihrem jüngsten Band Gedichtverdacht, der 2019 bei roughbooks erschien, dem Verlag, der sich auf beispiellose Weise um Erbs Werk verdient gemacht hat.

Elke Erb liest an diesem Abend ihre Gedichte, und Maren Jäger spricht mit den HerausgeberInnen über Erbs Schreiben und ihren „zugewandten Umgang mit ausnahmslos allem, was der Fall ist“ (aus dem Nachwort).

FR 30.6. | 19.30 Uhr

Lyrikkritikvideos von Noha Abdelrassoul (Saarbrücken) | Alexander Estis (Aarau) | Ricarda Fait (Berlin) | Mariëlle Matthee (Leiden/Berlin) | May Mergenthaler (Columbus, OH/Berlin) | Martin Piekar (Frankfurt) | Şafak Sarıçiçek (Heidelberg) | Erec Schumacher (Berlin) | Lilith Tiefenbacher (Berlin) | Moderation: Asmus Trautsch (Berlin)

„Man ist eigentlich nie auf der sicheren Seite: nicht im Dichten und nicht in der Kritik“, so Roberto Galaverni, der Lyrikkritiker des Corriere della Serra, der den letzten Workshop der Akademie leitete. Vielleicht hat die neuere Entwicklung in Sachen Lyrik und Kritik diese zutreffende Einsicht in der Kritiklandschaft verstärkt. In Italien ist jedenfalls wie in Deutschland die Zeit der sogenannten Großkritiker, die die Lyrikdebatten des 20. Jahrhunderts prägten, vorbei. Und wie hier ist im Zuge der Digitalisierung die lyrikkritische Öffentlichkeit diverser, unübersichtlicher und qualitativ durchmischter geworden: Mehr Menschen aus unterschiedlichen Kontexten reagieren reflektierend und urteilend auf Dichtung. Zeit, sich die zeitgenössische Poesie Italiens genauer anzuschauen. Das haben die TeilnehmerInnen der Akademie für Lyrikkritik gemacht, die zum Halbjahresabschluss des Hauses für Poesie ihre vorerst letzten Videolyrikkritiken mit Landesfokus vorstellen. Nach der Sommerpause wird die Akademie im September mit intermedialen Perspektiven fortgesetzt.

Die Akademie für Lyrikkritik am Haus für Poesie wird aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds gefördert. Mit freundlicher Unterstützung vom Italienischen Kulturinstitut Berlin und Literaturport.

Autorin Lubi Barre, geboren 1982 in Paris, im Interview mit Acèle Nadale im Kontext des Projekts „Unerhörte Poesie: Das Schwarze Europa“.
_
Initiiert vom Haus für Poesie, erscheint im Sommer 2021 im Verlag Das Wunderhorn eine Anthologie, die 32 in Europa geborene oder in Europa (literarisch) sozialisierte DichterInnen in deutscher Übersetzung vorstellt. Die Anthologie stellt die Texte in einen gemeinsamen Kontext, der sich nicht auf das Schwarzsein beschränkt. Vier in der Anthologie vertretene DichterInnen kommen beim poesiefestival berlin zusammen.

Lyrikkritikvideos von Noha Abdelrassoul (Saarbrücken) | Alexander Estis (Aarau) | Ricarda Fait (Berlin) | Mariëlle Matthee (Leiden/Berlin) | Regina Menke (Hildesheim) | May Mergenthaler (Columbus, OH/Berlin) | Martin Piekar (Frankfurt) | Şafak Sarıçiçek (Heidelberg) | Erec Schumacher (Berlin) | Lilith Tiefenbacher (Berlin) | Moderation: Asmus Trautsch (Berlin)

Während in Deutschland die Lyrikkritik neuerdings auf Plattformen wie fixpoetry und Sendungen im Öffentlichen Rundfunk verzichten muss, gibt es in Schweden gut finanzierte selbständige Organe der Lyrikkritik und -diskussion. Das ist nicht zuletzt Magnus William-Olsson, dem Stockholmer Dichter und Lyrikkritiker zu verdanken, der die Rolle der Digitalisierung für die Lyrikkritik früh diskutiert und zu nutzen verstanden hat. Kein Wunder, dass auch die Formen der Kritik und der Strukturwandel ihrer Öffentlichkeit im nordischen EU-Land eingehend reflektiert werden. Zu ihnen gehören genau lesende und urteilende Übersetzungen oder freie Seminare und Labore als soziale Formen poetischer Aufmerksamkeit, die auch die Berliner Akademie für Lyrikkritik pflegt. Die Früchte solch gemeinsamen Nachdenkens mit Blick auf schwedische Gegenwartslyrik werden an diesem Abend in neuen Videolyrikkritiken präsentiert. Roberto Galaverni wirft zudem einen kurzen Blick auf die italienische Lyrikkritik der Gegenwart.

Die Akademie für Lyrikkritik am Haus für Poesie wird aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds gefördert. Mit freundlicher Unterstützung von der Schwedischen Botschaft und Literaturport.

Mit Max Czollek Dichter, Berlin Uwe Kolbe Dichter, Dreseden | Moderation: Gregor Dotzauer Literaturkritiker, Berlin

In der fünften Veranstaltung der alten/neuen Reihe Das Gedicht in seinem Jahrzehnt begegnen sich die Dichter Uwe Kolbe (geboren 1957 in Ost-Berlin) und Max Czollek (geboren 1987 in Ost-Berlin).

Das Haus für Poesie feiert seinen 30. Geburtstag und lässt eine Veranstaltungsreihe aus den Anfangstagen neu aufleben. Unter der Überschrift Das deutsche Gedicht in der 2. Hälfte des XX. Jahrhunderts lud der Schriftsteller Karl Mickel Anfang der 90er Jahre LyrikerInnen ein, eigene und fremde Gedichte aus den vergangenen drei Jahrzehnten auszuwählen und zu diskutieren.

In der Neuauflage treffen jeweils zwei DichterInnen aus unterschiedlichen Generationen aufeinander, die gemeinsam die zurückliegenden Jahrzehnte bis in die Gegenwart durchqueren. Sie wählen deutschsprachige und internationale Gedichte aus, die sie in einer bestimmten Zeit besonders geprägt haben. Hinzu kommen eigene Texte, die von dieser Prägung zeugen.

Gedichte (in alphabetischer Reihenfolge)
Ilse Aichinger: Winterantwort: Aus: Verschenkter Rat, S. Fischer Verlag 1991.
Ghayath Almadhoun: Wir. Deutsche Übersetzung: Larissa Bender. Aus: Ein Raubtier namens Mittelmeer, Arche Literatur Verlag 2018.
Thomas Brasch: Wie viele sind wir eigentlich noch. Aus: Poesiealbum 89, Verlag Neues Leben 1975.
Joseph Brodsky: Skizze. Deutsche Übersetzung: Sylvia List. Aus: Einem alten Architekten in Rom. Gedichte, Piper Verlag 1986.
Max Czollek: Als ich nicht wusste. Aus: Druckkammern, Verlagshaus Berlin 2012.
Daniela Danz: Overkill. Aus: Pontus, Wallstein Verlag 2009.
Mila Haugová : enge Zeit. Deutsche Übersetzung: Angela Repka. Aus: Sandatlas, Edition Korrespondenzen 2001.
Clemens Eich: Aufstehn und gehn. Aus: Aufstehn und gehn, S. Fischer Verlag 1980.
Uwe Kolbe: Male. Aus: Hineingeboren, Aufbau Verlag 1980.
Uwe Kolbe: Vom Zustand. Aus: Imago, S. Fischer Verlag 2020.
Björn Kuhligk: Fünfmal. Aus: Am Ende kommen Touristen, parasitenpresse 2000.
Björn Kuhligk: Berlin 5. Aus: Am Ende kommen Touristen, parasitenpresse 2000.
Christoph Meckel: Die Kirschbäume. Aus: Tarnkappe, Gesammelte Gedichte, Carl Hanser Verlag 2015.
Aras Ören : Was will Niyazi in der Naunynstraße. Aus: Berliner Trilogie, Verbrecher Verlag 2019.
Asher Reich: Meine Kindheit war. Deutsche Übersetzung: Andrea Schatz. Aus: Arbeiten auf Papier, Rowohlt Verlag 1992.
Evelyn Schlag: Curriculum vitae. Aus: Brauchst du den Schlaf dieser Nacht, Paul Zsolnay Verlag 2002.
Jan Skácel : Verbotener Mensch. Deutsche Übersetzung: Reiner Kunze. Aus: wundklee gedichte, S. Fischer Verlag 1982.
Rosmarie Waldrop: Auszug aus In a Doorway/In einem Torweg . Deutsche Übersetzung: Thomas Schestag. Aus: Hödlerlin-Hybride, roughbooks 2019.
Adam Zagajewski : Nach Lemberg fahren. Deutsche Übersetzung: Karl Dedecius. Aus: Die Wiesen von Burgund, Carl Hanser Verlag 2003.

Lyrikkritikvideos von Noha Abdelrassoul Saarbrücken | Alexander Estis Aarau | Ricarda Fait Berlin | Mariëlle Matthee Leiden/Berlin | Regina Menke Hildesheim | May Mergenthaler Columbus, OH/Berlin | Martin Piekar Frankfurt | Şafak Sarıçiçek Heidelberg | Erec Schumacher Berlin | Lilith Tiefenbacher Berlin | Moderation: Asmus Trautsch Berlin

Die russischsprachige Gegenwartslyrik speist sich, so Kirill Korchagin, vor allem aus dem Spannungsfeld zweier moderner Traditionen: dem Konzeptualismus und dem Metarealismus. Während die Konzeptualisten Diskursmaterial bearbeiten und die Sprecherposition in ein „Flimmern“ auflösen, sehen Metarealisten eher die Erweiterung der Darstellung der verflochtenen Elemente spätmoderner Wirklichkeit als Erkenntnisaufgabe zeitgenössischer Dichtung. Diese Strömungen produzieren vielfache Abweichungen und Transformationen. Neue Positionen entstehen, durch die Digitalisierung nicht nur in den Metropolen Moskau und St. Petersburg. Die wachsende Vielfalt der Lyrik aus Russland ist dank einiger ÜbersetzerInnen an herausragenden Beispielen im deutschsprachigen Raum nachvollziehbar. Die Akademie für Lyrikkritik nimmt diese faszinierende Poesie und ihre lyrikkritischen Debatten in den Blick und würdigt sie in Videos kritisch. Magnus William-Olsson spricht abschließend noch über performative Lyrikkritik in Schweden, dem nächsten Fokus-Land der Akademie.

Die Akademie für Lyrikkritik am Haus für Poesie wird aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds gefördert. Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung und Literaturport.

Mit Esther Kinsky Autorin, Berlin | Manfred Pfister Literaturwissenschaftler und Übersetzer, Berlin | Hanns Zischler Autor und Schauspieler, Berlin | Moderation: Wolfgang Hörner Verleger, Berlin

Der Dichter John Clare (geboren 1793 in Helpston, Northamptonshire, gestorben 1864 in Northampton) ist der bedeutendste britische Naturdichter des 19. Jahrhunderts. Obwohl er so prominente Fürsprecher fand wie Seamus Heaney und John Ashbery, erlangte er außerhalb Englands nie größere Bekanntheit. Clare war ein dichtender Tagelöhner und Hilfsgärtner, der die letzten Jahrzehnte seines Lebens in Anstalten für Geisteskranke verbrachte. Berühmt wurde er postum im Jahre 1920 mit dem Band Poems Descriptive of Rural Life and Scenery. Modischer Naturmystik und -frömmigkeit misstraute er genauso wie der Nomenklatur wissenschaftlicher Naturkunden. In seinen Gedichten, Aufzeichnungen und Briefen gab er stets dem lokalen, bildkräftigeren Dialektwort den Vorzug vor der standardsprachlichen Bezeichnung. Hinzu kam ein idiosynkratischer Umgang mit Grammatik und Orthografie, der sich keiner Regel unterwarf. Er war ein früher ökologisch-politscher Dichter, der die Moor- und Marschlandschaft des ländlichen Englands seiner Kindheit durch Ausbeutung und Modernisierung gefährdet sah. Insofern kann er durchaus als Vorläufer des heutigen Nature Writing gelten, auch wenn bei ihm die Bedrohung noch nicht vom Klimawandel ausging, sondern von den Agrarkrisen und den Bodenreformen des frühen 19. Jahrhunderts.

Über die heutige Bedeutung dieser Dichtung sprechen der Clare-Enthusiast Hanns Zischler sowie die Clare-ÜbersetzerInnen Esther Kinsky (Raunen des Winds und bebende Distel, Golden Luft Verlag 2020 und Reise aus Essex, Matthes & Seitz 2017) und Manfred Pfister (A Language That is Ever Green, Verlag Das kulturelle Gedächtnis 2021). Durch die Veranstaltung führt der Verleger Wolfgang Hörner.

Im Kontext des Festivals Re:Writing the Future: Die künstlerischen Leiter des ZEBRA Poetry Film Festivals Thomas Zandegiacomo Del Bel und Alexander Gumz präsentieren Poesiefilme, in denen FilmemacherInnen und DichterInnen ihre alten und neuen Heimaten erkunden und neu entdecken. Zu Gast ist Filmemacherin Ebele Okoye. | The artistic directors of the ZEBRA Poetry Film Festival Thomas Zandegiacomo Del Bel und Alexander Gumz are presenting poetry films in which film makers and poets explore their old and new homelands. The featured guest is the film maker Ebele Okoye.

Films
IN DAMASCUS (DEU/SYR 2018)
STAD IN DIE MIS | City in the Mist (ZAF 2016)
Έφυγε η Συρία, έφυγε | Gone Is Syria, Gone (GRC 2016)
AT THE BORDER (NLD 2016)
REFUGEE BLUES (GBR/FRA 2016)
DIE LIEBE IN DEN ZEITEN DER EU | Love in the age of the EU (DEU 2014)
MEINE HEIMAT | My Homeland (DEU/NGA 2012)

MO 10.5. | 19.30 Uhr
Lesung mit Volker Braun Dichter, Berlin

Volker Braun war bereits zu DDR-Zeiten ein Autor von gesamtdeutscher Wirkung. Die ostdeutschen Bühnen hat er durch seine Stücke und die Arbeit am Berliner Ensemble wie am Deutschen Theater maßgeblich geprägt. Als Lyriker sorgte er bereits mit seinem ersten Gedichtband Provokation für mich (Mitteldeutscher Verlag 1965) für Aufsehen und Aufruhr. Seitdem entwickelte er sich zu dem vielleicht sinnlichsten Ideen-Dichter deutscher Zunge, dessen Schreiben sich beharrlich gegen das „poetische Brutzeln des Seelenfetts“ und „den geistlosen Handbetrieb der Avantgarde“ richtet. Braun war am Anfang seines Schreibens ein im emphatischen Sinne politischer Autor und ist es geblieben.

Dieser Tage erscheint ein neuer Gedichtband von ihm: Große Fuge (Suhrkamp Verlag 2021). Der Band enthält Texte, die unter dem Aktualitätsdruck der Pandemie entstanden sind und die – wie immer bei Braun – keine Rücksicht auf die Anstandsregeln der politischen Korrektheit nehmen. Es geht um das Durchatmen im Anthropozän, den „fahlen Hauch“, der unsere Lungen touchiert, und den „Katarrh im Kulturbetrieb“. Es ist ein anspielungs- und zitatenreicher Streifzug durch die politische Landschaft, ein Sichten der holozänen Bestände, mit Gastauftritten von Angela Merkel, der Queen und Boris Johnson sowie Rückbezügen auf die Attische Seuche, der einst Perikles zum Opfer fiel. Es gibt aber auch immer wieder sehr persönliche, anrührende Episoden, imaginierte Wiederbegegnungen mit Jugendlieben oder dem vor über 20 Jahren verstorbenen Freund „St. Rudi“ Bahro.

Volker Braun liest Teile aus dem Abschnitt Große Fuge. Aggregat K.

Mit Marcel Beyer Dichter, Dresden Nadja Küchenmeister Dichterin, Berlin | Moderation: Gregor Dotzauer Literaturkritiker, Berlin 

In der dritten Veranstaltung der alten/neuen Reihe Das Gedicht in seinem Jahrzehnt begegnen sich der Büchner- und Huchel-Preisträger Marcel Beyer (geboren 1964 in Tailfingen, Baden-Württemberg) und die Dichterin Nadja Küchenmeister (geboren 1980 in Berlin), die mit ihrem jüngsten Band Im Glasberg (Schöffling & Co. 2020) von der Kritik gefeiert wurde. 

Das Haus für Poesie feiert seinen 30. Geburtstag und lässt eine Veranstaltungsreihe aus den Anfangstagen neu aufleben. Unter der Überschrift „Das deutsche Gedicht in der 2. Hälfte des XX. Jahrhunderts“ lud der Schriftsteller Karl Mickel Anfang der 90er Jahre LyrikerInnen ein, eigene und fremde Gedichte aus den vergangenen drei Jahrzehnten auszuwählen und zu diskutieren. 

In der Neuauflage treffen jeweils zwei DichterInnen aus unterschiedlichen Generationen aufeinander, die gemeinsam die zurückliegenden Jahrzehnte bis in die Gegenwart durchqueren. Sie wählen deutschsprachige und internationale Gedichte aus, die sie in einer bestimmten Zeit besonders geprägt haben. Hinzu kommen eigene Texte, die von dieser Prägung zeugen. 

GEDICHTE (in alphabetischer Reihenfolge)

Jürgen Becker: Unbekannte Pilze. Aus: Dorfrand mit TankstelleSuhrkamp Verlag 2007.
Marcel Beyer: Farn. Aus: Dämonenräumdienst, Suhrkamp Verlag 2020.
Günter Eich: Namen. Aus: Gesammelte Werke. Band I: Die Gedichte – Die Maulwürfe, Suhrkamp Verlag 1973 / revidierte Ausgabe 1991.
Elke Erb: In zwanzig Jahren. Aus: Mensch sein, nicht. Gedichte und andere Tagebuchnotizen. Urs Engeler Editor 1998.
Ludwig Greve: Fremde Tochter. Aus: Bei Tag. Neue Gedichte. Klett 1974.
Seamus Heaney: Kinship. Aus: North, Faber and Faber 1975. Übersetzung: Richard Pietraß aus: Norden. Reclam 1987.
Michael Hofmann: My Father’s House Has Many Mansions. Aus: Acrimony, Faber and Faber 1986. Übersetzung Marcel Beyer aus: Feineinstellungen, DuMont Buchverlag 2001.
Ernst Jandl: von schlafkunst. Aus: die bearbeitung der mütze, Luchterhand Literaturverlag 1978.
Linton Kwesi Johnson: Inglan Is a Bitch. Aus: Inglan Is a Bitch, Race Today Publications 1980. Übersetzung: Marcel Beyer.
Thomas Kling: ihr hinterleib in ständiger bewegung. Aus: Fernhandel, DuMont Buchverlag 1999.
Nadja Küchenmeister: rauperich. Aus: Im Glasberg. Schöffling & Co. 2020.
Christine Lavant: Trau der Mannschaft deines Seglers zu. Aus: Die Bettlerschale, Otto Müller Verlag 1956.
Friederike Mayröcker: dann hört alles plötzlich auf auch die Lerche Narzisse die. Aus: dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif. Gedichte 2004 – 2009, Suhrkamp Verlag 2009.
Gellu Naum: Wie zwei Glocken. Aus: Pohesie. Sämtliche Gedichte. Urs Engeler Editor 2006. Übersetzung: Oskar Pastior.
Helga M. Novak: ihr geht mir nach. Aus: Solange noch Liebesbriefe eintreffen. Gesammelte Gedichte, Schöffling & Co. 1999.
Frederick Seidel: Invisible Dark Matter. Aus: The Cosmos Trilogy, Farrar, Strauss and Giroux 2003. Übersetzung: Matthias Kniep & Nadja Küchenmeister.
Tomas Tranströmer: Einsamkeit. Aus: Sämtliche Gedichte. München: Carl Hanser Verlag 1997. Übersetzung: Hanns Grössel.

Video mit Madame Nielsen Autorin und Performerin, Dänemark

Für ihren Abend für Inger Christensen zog die Schriftstellerin und Performerin Madame Nielsen drei Tage lang in der daadgalerie ein – mit Koffer, Proviant, ein paar Flaschen Rotwein und einer kleinen Bibliothek. Im Austausch mit den zufälligen Passanten entwickelte sie einen Abend für die Lyrikerin Inger Christensen. Sie spielte Gitarre und improvisierte am Flügel, sie rauchte, trank Rotwein, legte sich schlafen, ging wieder ans Klavier. Unter Einhaltung aller Abstandsregeln entstand aus der Begegnung mit den Zuschauern eine Hommage an die Grande Dame der dänischen Lyrik und ein berührungsloses Sinnbild für die Sehnsucht nach Berührung. Aus den drei Tagen, die Madame Nielsen in der leeren Galerie verbrachte, ist ein Video entstanden, das vom Haus für Poesie ausgestrahlt wird.

Madame Nielsen ist aktuell Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

Gespräch mit Jan Wagner Dichter und Übersetzer, Berlin | Sarah Howe Dichterin und Lyrikkritikerin, London | Moderation: Christian Metz Literaturwissenschaftler und -kritiker, München

Einführung: Asmus Trautsch Dichter und Leiter der Akademie für Lyrikkritik

Die Gegenwartslyrik ist polyglott: Dichterinnen und Dichter schreiben aus diversen Sprachhintergründen, viele arbeiten mehrsprachig. Internationale Kollaborationen, gerade innerhalb Europas, blühen, was sich auch in gemeinsamen Publikationen wie der Anthologie Grand Tour. Reisen durch die junge Lyrik Europas niederschlägt. Dichtung aus anderen Sprachen wird in großer Zahl übersetzt, rezipiert und ausgezeichnet. Zugleich erweitert sich Poesie medial: Sie wird performativ und in digitalen Formaten, Journalen, Chap-Books oder auf Flyern, T-Shirts und Hauswänden präsentiert.

Wie reagiert die Lyrikkritik auf diese vielsprachig-pluralen und multimedialen Dimensionen der zeitgenössischen Poesie? Muss sie selbst internationaler werden und einem hiesigen Publikum lyrische Aktualität aus anderen Regionen verstärkt nahebringen? Welche neuen lyrikkritischen Formate können die Sache der Dichtung stärker in die Öffentlichkeit tragen, von Tweets bis zu Pecha Kuchas? Wie sieht es überhaupt in anderen Ländern und Sprachräumen mit der Lyrikkritik aus. Und wie können unterschiedliche Szenen der Lyrik und ihrer Kritik, wie die in Großbritannien und die im deutschsprachigen Raum, voneinander lernen?

Über diese Fragen und europäische Perspektiven der Lyrikkritik diskutieren Jan Wagner, Sarah Howe und Christian Metz. Die Online-Diskussion wird gerahmt von ausgewählten Highlights der Pecha Kuchas zur Lyrikkritik aus den ersten zwei Jahren der Akademie für Lyrikkritik.

Die Akademie für Lyrikkritik am Haus für Poesie wird aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds gefördert. Mit freundlicher Unterstützung von Literaturport

Lesung & Gespräch mit Ronya Othmann Autorin, Leipzig und Florian Kessler Carl Hanser Verlag | Benjamin Quaderer Autor, Berlin und Christof Bultmann Luchterhand Literaturverlag | Robert Stripling Dichter, Frankfurt am Main und Daniela Seel kookbooks | Moderation Wiebke Porombka Literaturkritikerin

PreisträgerInnen des 22., 24. und 25. open mike stellen ihre frisch erschienen literarischen Debüts vor. Begleitet werden sie von ihren VerlegerInnen und LektorInnen, die die DebütantInnen vorstellen und Einblick in ihre verlegerische Arbeit geben.

Mit dabei sind der Lektor Florian Kessler und seine Autorin Ronya Othman (geboren 1993 in München), die 2017 den open mike-Preis für Lyrik erhielt. Sie debütierte mit dem vielbeachteten Roman Die Sommer, der 2020 im Carl Hanser Verlag erschien.

Der Lektor Christof Bultmann stellt Benjamin Quaderer (geboren 1989 in Feldkirch) vor, der seinen Roman Für immer die Alpen (Luchterhand 2020) mitbringt. Für einen Auszug daraus erhielt Quaderer 2016 den 2. Preis des open mike.

Der Schriftsteller Robert Stripling (geboren 1989 in Berlin) schließlich, der 2014 mit dem Lyrikpreis des open mike ausgezeichnet wurde, wird von seiner Verlegerin Daniela Seel mit dem Buch Unter Stunden: Album 1 präsentiert, das in der Reihe Prosa bei kookbooks erscheint.

Durch die Veranstaltung führt die Literaturkritikerin Wiebke Porombka.

Eine Veranstaltung des Hauses für Poesie gemeinsam mit der Stiftung Kommunikationsaufbau (Hauptsponsor) sowie den Verlagen Bastei Lübbe, Berlin Verlag, Blessing Verlag, btb, Verlagsgruppe Droemer Knaur, Edition Korrespondenzen, Haymon Verlag, Verlag Kiepenheuer & Witsch, KOOKbooks, Luchterhand, Matthes & Seitz Berlin, Penguin Verlag, Piper, poetenladen, Rowohlt, S. Fischer Verlage, secession, Transistor, Ullstein Buchverlage, Verlagshaus Berlin, Voland & Quist, Wallstein Verlag, Verlag das Wunderhorn sowie dem Buchhandelsunternehmen Thalia Mayersche und mit freundlicher Unterstützung durch die Stiftung Preußische Seehandlung.

Video | Georg Leß, Karin Fellner, Aras Ören, Maren Kames und Heike Flemming, die Übersetzerin von Szilárd Borbély, werden vom Literaturkritiker und Lyrikempfehlenden Christian Metz vorgestellt.

Mit Spannung erwartet: die neuen Lyrik-Empfehlungen. Eine illustre Runde, bestehend aus Dichterinnen und Dichtern sowie Kritikerinnen und Kritikern, empfiehlt einmal im Jahr zehn deutschsprachige und zehn ins Deutsche übersetzte Lyrikbände. Die Titel und die Begründungen für die Auswahl erscheinen zur Leipziger Buchmesse in einer Broschüre, die in Buchhandlungen und Bibliotheken erhältlich ist.

Die Empfehlungen stammen in diesem Jahr von Nico Bleutge, Nora Bossong, Florian Kessler, Michael Krüger, Kristina Maidt-Zinke, Christian Metz, Marion Poschmann, Joachim Sartorius, Daniela Strigl und Uljana Wolf.

Bei uns zu Gast sind Georg Leß, Karin Fellner, Aras Ören, Maren Kames und Heike Flemming, die Übersetzerin von Szilárd Borbély. Sie werden vom Literaturkritiker und Lyrikempfehlenden Christian Metz vorgestellt.

Die Lyrik-Empfehlungsliste wird von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett, dem deutschen Literaturfonds und dem Haus für Poesie getragen und präsentiert, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bibliotheksverband.

Die Lyrikempfehlungen online www.lyrik-empfehlungen.de

Lesung & Gespräch mit Brigitte Oleschinski Dichterin, Berlin | Katharina Schultens Dichterin, Berlin | Moderation: Gregor Dotzauer Literaturkritiker, Berlin

Das Haus für Poesie feiert seinen 30. Geburtstag und lässt eine Veranstaltungsreihe aus den Anfangstagen neu aufleben. Unter der Überschrift Das deutsche Gedicht in der 2. Hälfte des XX. Jahrhunderts lud der Schriftsteller Karl Mickel Anfang der 90er Jahre LyrikerInnen ein, eigene und fremde Gedichte aus den vergangenen drei Jahrzehnten auszuwählen und zu diskutierten.

In der Neuauflage treffen jeweils zwei DichterInnen aus unterschiedlichen Generationen aufeinander, die gemeinsam die zurückliegenden Jahrzehnte bis in die Gegenwart durchqueren. Sie wählen deutschsprachige und internationale Gedichte aus, die sie in einer bestimmten Zeit besonders geprägt haben. Hinzu kommen eigene Texte, die von dieser Prägung zeugen.

In der ersten Veranstaltung der alten/neuen Reihe begegnen sich Katharina Schultens (geboren 1980 in Kirchen (Sieg)) und Brigitte Oleschinski (geboren 1955 in Köln).

GEDICHTE (in alphabetischer Reihenfolge)

Maya Angelou: The Mothering Blackness
Anne Carson: Autobiographie von Rot V., VI., VII
Inger Christensen: alphabet hören auf lyikline.org
Elke Erb: Sonntag
Elke Erb: Sklavensprache
Athena Farrokhzad: Auszug aus: Bleiweiß
Martina Hefter: Zwei Gartenroboter legen die Scheren weg und stellen gegenseitig Erforschungen an ihren Körpern an
Dorothea Rosa Herliany: Hotel 00,,00 Uhr
Kim Hyesoon: Why Are All Mermaids Female
Sarah Kirsch: Naturschutzgebiet
Karin Kiwus: Immer dasselbe
Barbara Köhler: Auszug aus Sprachraum
Friederike Mayröcker: Deinzendorf / grüne Montage oder wo habe ich diese weißen Augen schon mal gesehen hören auf lyrikline.org
Alice Notley: At Night the States
Brigitte Oleschinski: Mental Heat Control hören auf lyrikline.org
Monika Rinck: WAS MACHEN DIE FRAUEN AM SONNTAG? Aus: zum fernbleiben der umarmung, kookbooks 2007
Katharina Schultens: besuch bei gesunden begriffen
May Swenson: Bleeding
Anja Utler: Auszug aus: kommen sehen. Lobgesang

Lesung & Gespräch mit Alexandru Bulucz Dichter, Berlin | Orsolya Kalász Dichterin, Berlin | Moderation: Gregor Dotzauer Literaturkritiker, Berlin

In der zweiten Veranstaltung der alten/neuen Reihe Das Gedicht in seinem Jahrzehnt begegnen sich Alexandru Bulucz (geboren 1987 in Alba Iulia, Rumänien) und die Huchel-Preisträgerin Orsolya Kalász (geboren 1964 in Dunaújváros, Ungarn).

Das Haus für Poesie feiert seinen 30. Geburtstag und lässt eine Veranstaltungsreihe aus den Anfangstagen neu aufleben. Unter der Überschrift Das deutsche Gedicht in der 2. Hälfte des XX. Jahrhunderts lud der Schriftsteller Karl Mickel Anfang der 90er Jahre LyrikerInnen ein, eigene und fremde Gedichte aus den vergangenen drei Jahrzehnten auszuwählen und zu diskutierten.

In der Neuauflage treffen jeweils zwei DichterInnen aus unterschiedlichen Generationen aufeinander, die gemeinsam die zurückliegenden Jahrzehnte bis in die Gegenwart durchqueren. Sie wählen deutschsprachige und internationale Gedichte aus, die sie in einer bestimmten Zeit besonders geprägt haben. Hinzu kommen eigene Texte, die von dieser Prägung zeugen.

GEDICHTE (in alphabetischer Reihenfolge)

Amanda Aizpuriete: Ins Glas Wein …
Paulus Böhmer: Nana verliert an Höhe
Nicolas Born: Entsorgt hören auf lyrikline.org
Thomas Brasch: Der schöne 27. September
Alexandru Bulucz: Kreischqueller Heuweg (unveröffentlicht)
Christian Filips: Heischesatz von den Oberflächen
Julia Hartwig: Dennoch lese ich weiter ihre Gedichte
Mila Haugová: Erscheinung VIII.
Wolfgang Hilbig: abwesenheit
Orsolya Kalász: Unsere Stetigkeit
István Kemény: Mittag
Wulf Kirsten: Erdlebenbilder hören auf lyrikline.org
Rainer René Mueller: Lirum, Larum
Ágnes Nemes Nagy: Dennoch schauen
Monika Rinck: zum fernbleiben der umarmung
Werner Söllner: Siebenbürgischer Heuweg
Marin Sorescu: Die Leiter zum Himmel
Wisława Szymborska: Der Terrorist, er sieht
Dezső Tandori: Ein paar Gedichte
Ottó Tolnai: Komm nicht zurück

Lyrikkritikvideos von Noha Abdelrassoul | Alexander Estis | Ricarda Fait | Mariëlle Matthee | Regina Menke | May Mergenthaler | Şafak Sarıçiçek | Erec Schumacher | Lilith Tiefenbacher | Einführung: Asmus Trautsch

Die Akademie für Lyrikkritik hat im Januar ihre europäische Perspektiven mit einer neuen Gruppe von LyrikkritikerInnen und einem Blick nach Großbritannien eröffnet. In einem Workshop mit der aus Hong Kong stammenden englischen Dichterin und Kritikerin Sarah Howe wurden die vielfältigen Formen der Lyrikkritik im Vereinigten Königreich von pointierten Kurzkritiken bis zu langen Werkessays ebenso diskutiert wie verbreitete Stilvarianten und die unterschiedlichen Publikationsorte bzw. Medien von großen Tageszeitungen über Online-Journale bis zu Vlogs. Auch die Rolle und Position der LyrikkritikerInnen in der Gesellschaft wurde zum Thema, das die Akademie für Lyrikkritik künftig noch stärker reflektieren wird. Am heutigen Abend präsentieren die TeilnehmerInnen neue Lyrikkritiken im Videoformat und schauen über den deutschsprachigen Poesiemarkt auf zumeist neuere Gedichte von AutorInnen aus Belarus, Ghana, der Mongolei, Vietnam, Ukraine, den USA, Irland und Großbritannien. Zudem wird die polnische Literaturkritikerin und -wissenschaftlerin Joanna Orska im Gespräch Schlaglichter auf die aktuelle Lyrikkritik in Polen werfen.

Die Akademie für Lyrikkritik am Haus für Poesie wird aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds gefördert. Mit freundlicher Unterstützung von Literaturport

Lesung & Gespräch mit Nora Bossong Dichterin, Berlin | Katja Lange-Müller Autorin, Berlin | Dieter Stolz Literaturwissenschaftler, Lektor, Berlin | Moderation: Helmut Böttiger Literaturkritiker, Berlin

Es mag überraschen, aber Günter Grass hat sich im Grunde jederzeit in erster Linie als Lyriker verstanden. Alle großen Werke des gattungsübergreifend arbeitenden Schriftstellers sind aus lyrischen Momenten entstanden. Vom ersten Band Die Vorzüge der Windhühner (1956) bis zu den posthum veröffentlichten Doppelstücken in Vonne Endlichkait (2015) bildet die Lyrik eine Konstante, wie das kürzlich im Steidl Verlag erschienene Gesamtwerk des Nobelpreisträgers unter Beweis stellt (Neue Göttinger Ausgabe, herausgegeben von Dieter Stolz und Werner Frizen).

Das Gedicht war Grass lebenslang eine willkommene Möglichkeit der Bestandsaufnahme, ein offenes Experimentierfeld. Die Arbeit an lyrischen Texten, die sich einerseits durch einen ganz spezifischen Grass-Ton, andererseits durch Themen- und Ausdrucksvielfalt auszeichnen, bot ihm immer wieder Gelegenheit, sich mit literarischen Mitteln neu zu vermessen, überholte Standpunkte kunstvoll in Frage zu stellen, bisweilen auch politisch Stellung zu beziehen oder sehr Persönliches zu offenbaren.

Über den Lyriker Grass diskutieren sein langjähriger Wegbegleiter Dieter Stolz, Katja Lange-Müller, die 2018 Du. Ja. Du. Liebesgedichte von Grass herausgegeben hat, und die Dichterin Nora Bossong mit dem Literaturkritiker Helmut Böttiger. Und: Wir feiern die Premiere von Günter Grass auf lyrikline.org, eine Auswahl seiner Gedichte, gelesen von ihm, im Weltarchiv der Dichtung.

In Kooperation mit der WABE Berlin

Lesung & Gespräch mit Sonja vom Brocke Dichterin, Berlin  | Margret Kreidl Dichterin, Wien | Ferdinand Schmatz Dichter, Wien | Moderation: Theresia Prammer Literaturkritikerin und Übersetzerin, Berlin

Ilse Aichinger (1921–2016, geboren und gestorben in Wien) exzellierte in allen Gattungen. Zwar schuf sie jeweils nur wenig, immer aber Beispielhaftes und Bleibendes, z.B. ihren einzigen Roman Die größere Hoffnung (1948), ihre Hörspiele, Szenen und Dialoge sowie die meisterhaften Erzählungen Spiegelgeschichte, Der Gefesselte und Wo ich wohne. Außerdem ist Aichinger eine der größten deutschsprachigen Lyrikerinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, obwohl sie nur einen schmalen Gedichtband vorlegte. Verschenkter Rat (1978) versammelt der Texte, die zwischen 1958 und 1978 geschrieben wurden. Hinzu kommt der Band Kurzschlüsse (2001), der Prosaminiaturen enthält, die in der Nähe zur Lyrik entstanden sind.

Aichingers gesamtes Werk kommt aus dem überwältigenden Eindruck der Gefährdung. Sie galt in der Terminologie der Faschisten als „Mischling ersten Grades“ und war in ihrer Jugend dauerhaft vom Tode bedroht. Was sie später dagegen einsetzte, waren Nüchternheit und Präzision in ihren poetischen Bestandsaufnahmen. Sie wusste, „die Welt ist aus dem Stoff, der Betrachtung verlangt.“ Das Ideal ihrer Texte ist die gelassenste und selbstverständlichste Form, „in der äußersten Spannung die äußerste Gelöstheit“. Aichinger fand hierfür das Bild eines Metallbandes, das zum Reifen gebogen wird, bevor man es lötet.

Über die Bedeutung von Aichingers Werk damals und heute sprechen die DichterInnen Sonja vom Brocke, Margret Kreidl und Ferdinand Schmatz. Durch den Abend führt Theresia Prammer, die gemeinsam mit Christine Vescoli den Band Was für Sätze (Edition Korrespondenzen 2020) zu Ilse Aichinger herausgibt.

Mit freundlicher Unterstützung durch das Österreichische Kulturforum

Die Schriftstellerin und Dichterin Ulrike Draesner gibt Auskunft zu ihrem liebsten Lyrikline-Gedicht: Selbstgespräche sind nur Meeresrauschen von Elke Erb. Link zum Text und der Originalaufnahme auf lyrikline.org

Mit freundlicher Unterstützung von Elke Erb

Lesung & Gespräch mit den PreisträgerInnen des Literarischen März 2021 Anna Hetzer Autorin, Berlin | Katrin Pitz Autorin, Darmstadt | Lara Rüter Autorin, Leipzig | Moderation: Ulrike Draesner Autorin, Berlin

Das Haus für Poesie präsentiert an diesem Abend die diesjährigen GewinnerInnen des Literarischen März Anna Hetzer, Katrin Pitz und Lara Rüter.

Der Literarische März ist einer der bedeutendsten Wettbewerbe für junge deutschsprachige Lyrik. Die Vergabe des Leonce-und-Lena-Preises und der beiden Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise, die seit 1979 alle zwei Jahre von der Wissenschaftsstadt Darmstadt verliehen werden, zählt zu den Glanzpunkten im Literaturbetrieb. Die PreisträgerInnen aus den vergangenen Jahren gehören heute zu den wichtigsten Stimmen der Gegenwartslyrik – wie Kerstin Hensel, Steffen Popp, Silke Scheuermann, Katharina Schultens oder Raoul Schrott.

Eine gemeinsame Veranstaltung von Haus für Poesie und Stiftung Lyrikkabinett München, in Zusammenarbeit mit dem Literarischen März, Darmstadt

Lyrikkritikvideos von Noha Abdelrassoul Saarbrücken | Alexander Estis Aarau | Ricarda Fait Berlin | Mariëlle Matthee Leiden/Berlin | Regina Menke Hildesheim | May Mergenthaler Columbus, OH/Berlin | Martin Piekar Frankfurt | Şafak Sarıçiçek Heidelberg | Erec Schumacher Berlin | Lilith Tiefenbacher Berlin | Moderation: Asmus Trautsch Berlin

Aktuelle lyrikkritische Debatten aus Polen stehen im Zentrum der aktuellen Akademiearbeit, zuletzt auf einem Workshop mit der Lyrikkritikerin und Literaturwissenschaftlerin Joanna Orska aus Wrocław. Es ging um die Entwicklung der Lyrik und des lyrikkritischen Diskurses seit 1990, um die Relevanz feministischer Perspektiven für die Reflexion zeitgenössischer Poesie und politisch engagierte Poetiken der Gegenwart unter der PiS-Regierung. Dabei zeigten sich Verbindungslinien wie klare Unterschiede zwischen deutschsprachigen und polnischen Debatten in der gegenwärtigen Lyrikkritik. Die TeilnehmerInnen der Akademie nehmen die Debatten und poetischen Positionen aus Polen auf und präsentieren Videolyrikkritiken polnischer und internationaler Gegenwartsdichtung. In einem kurzen Gespräch skizziert abschließend der Moskauer Lyrikkritiker Kirill Korchagin Grundzüge aktueller Lyrikkritik in Russland: das Thema des kommenden Workshops.

Die Akademie für Lyrikkritik am Haus für Poesie wird aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds gefördert. Mit freundlicher Unterstützung von Literaturport.

Lesung & Gespräch mit Zsuzsanna Gahse Autorin, Müllheim (Schweiz) | Nancy Hünger Autorin, Erfurt | Moderation: Gregor Dotzauer Literaturkritiker, Berlin

In der vierten Veranstaltung der alten/neuen Reihe Das Gedicht in seinem Jahrzehnt begegnen sich die Schriftstellerinnen Zsuzsanna Gahse (geboren 1946 in Budapest) und die Dichterin Nancy Hünger (geboren 1981 in Weimar).

Das Haus für Poesie feiert seinen 30. Geburtstag und lässt eine Veranstaltungsreihe aus den Anfangstagen neu aufleben. Unter der Überschrift Das deutsche Gedicht in der 2. Hälfte des XX. Jahrhunderts lud der Schriftsteller Karl Mickel Anfang der 90er Jahre LyrikerInnen ein, eigene und fremde Gedichte aus den vergangenen drei Jahrzehnten auszuwählen und zu diskutierten.

In der Neuauflage treffen jeweils zwei DichterInnen aus unterschiedlichen Generationen aufeinander, die gemeinsam die zurückliegenden Jahrzehnte bis in die Gegenwart durchqueren. Sie wählen deutschsprachige und internationale Gedichte aus, die sie in einer bestimmten Zeit besonders geprägt haben. Hinzu kommen eigene Texte, die von dieser Prägung zeugen.

GEDICHTE (in alphabetischer Reihenfolge):

Ilse Aichinger: Teil der Frage. Aus: Verschenkter Rat, S. Fischer Verlag 1991.
Inger Christensen: Gedicht vom Tod. Deutsche Übersetzung: Hanns Grössel. Aus: Der Geheimniszustand und  Gedicht vom Tod, Carl Hanser Verlag 2009.
Mircea Dinescu: dynamit. Deutsche Übersetzung: Werner Söllner. Aus: Exil im Pfefferkorn, Suhrkamp Verlag 1989.
Zsuzsanna Gahse: Auszug aus: Siebenundsiebzig Geschwister. Edition Korrespondenzen 2017.
Helmut Heißenbüttel: Zeitraffergedicht. Aus: Textbuch 8, Klett-Cotta-Verlag 1985.
Ernst Herbeck: Heimweh. Aus: Im Herbst das reiht der Feenwind, Residenz Verlag 1992.
Nancy Hünger: Lieber Alter Dichter. Aus: Ein wenig Musik zum Abschied wäre trotzdem nett: Gedichte, edition AZUR 2017.
Philippe Jaccottet: Den Titel ausradiert. Deutsche Übersetzung: Elisabeth Edl und Wolfgang Matz. Aus: Die wenigen Geräusche. Späte Prosa und Gedichte, Carl Hanser Verlag 2020.
Margret Kreidl: Grundsatzfragen. Aus: Einfache Erklärung: Alphabet der Träume. Edition Korrespondenzen  2014.
Kito Lorenc: Ginge ich nach Haus. Aus: Gedichte, Suhrkamp Verlag 2012.
Sepp Mall: Auf meinem Schreibtisch, 2 Schafe. Aus: Schläft ein Lied, Haymon Verlag 2014.
Klaus Merz: Museum. Aus: Kurze Durchsage: Gedichte & Prosa, Haymon Verlag 2010.
Oskar Pastior: Sie aßen im Taxi. Aus: Jalousien aufgemacht, Carl Hanser Verlag 1987.
Werner Söllner: Sprachigkeit. Nur in Rumänien erschienen.
Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki: Im Nebenzimmer stirbt meine Mutter. Deutsche Übersetzung: Doreen Daume. Aus: Geschichte polnischer Familien, Edition Korrespondenzen 2012.
Ottó Tolnai: Das Blut quillt mir aus dem Mund. Deutsche Übersetzung: Zsuzsanna Gahse. Aus: Göttlicher Gestank, Edition Korrespondenzen 2009.
Peter Waterhouse: Über das, was die Hand ist, und das, was in der Hand ist. Aus: Passim, Rowohlt Verlag 1986.
Sándor Weöres: LA PLEUREUSE. Deutsche Übersetzung: Zsuzsanna Gahse. Aus: Inzwischen fallen die Reiche. Poesie aus Ungarn, edition die horen 1990.
Uljana Wolf: Drei Bögen Böbrach. Aus: meine schönste lengevitch. Gedichte. kookbooks 2013.

Mit Rolando Kattan Dichter, Tegucigalpa | Björn Kuhligk Dichter, Berlin | Moderation: Rike Bolte Romanistin und Übersetzerin, Berlin

Der Dichter und Verleger Rolando Kattan (geboren 1979 in Tegucigalpa, Honduras) verbindet in seinem Werk lyrische Beobachtungen mit philosophischen Reflexionen. Für den Gedichtband Los cisnes negros (Die schwarzen Schwäne) wurde er 2020 mit dem wichtigen Literaturpreis Premio Casa de América de Poesía Latinoamericana ausgezeichnet. Er ist Kulturaktivist und ein bibliophiler Sammler, der seine beruflichen Reisen dazu nutzt, die Buchläden und Antiquariate zu durchstöbern, um mit Funden beladen nach Hause zurückzukehren. Normalerweise. Nun ist das Finden und Kennenlernen auf digitale Wege ausgewichen, die es erlauben, den Austausch über Dichtung fortzusetzen: Rolando Kattán begegnet dem Berliner Dichter Björn Kuhligk (geboren 1975), der auf andere Weise ein Sammler ist, ein Sammler von Eindrücken oder von Stadtbildern – wie jüngst in Schöne Orte (mikrotext 2019) publiziert. Kuhligk ist, auch da ein Sammler, als Herausgeber von Lyrik von Jetzt Eins und Zwei (2003 und 2008) oder als Reisender unterwegs und nimmt die Leser und Leserinnen auf reale wie imaginäre Expeditionen mit.

Mit der Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin Rike Bolte sprechen beide Dichter über die Dichtung, über Perspektiven auf die Welt aus honduranischer Richtung – und über das Sammeln als Impuls.

Das Gespräch wird deutsch-spanisch gedolmetscht. Die Texte liegen in deutscher Übersetzung vor.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Botschaft von Honduras, des Instituto Cervantes Berlin und des Hauses für Poesie

Die schwarzen Schwäne in deutscher Übersetzung zum Download (PDF↓)