„II Das Meer (Ausschnitt)“ von Gregor Laschen auf lyrikline.org

„1987“ von Saul Williams auf lyrikline.org

„Warum kam ich überhaupt auf diese Welt ich hatte sehr wenig zu tun, oder“ von Alice Notley auf lyrikline.org

„staub“ von Nadja Küchenmeister auf lyrikline.org

„VIELLEICHT BIN ICH EINE EIDECHSE“ von Can Yücel auf lyrikline.org

Seitdem er im Jahr 2000 ins Leben gerufen wurde, feiern wir ihn gemeinsam: den UNESCO-Welttag der Poesie. AutorInnen aus verschiedenen Teilen der Welt lesen ihre Texte im Original – dazu erklingen die deutschen Übersetzungen.

Der UNESCO-Welttag der Poesie würdigt den Stellenwert der Poesie, die Vielfalt des Kulturguts Sprache und die Bedeutung mündlicher Traditionen. Seit er vor 22 Jahren zum ersten Mal initiiert wurde, organisiert das Haus für Poesie gemeinsam mit seinen PartnerInnen die zentrale Veranstaltung in Deutschland.

In diesem Jahr sind auf der Bühne zu erleben: Der syrisch-palästinensische Dichter Ramy Al-Asheq, der inzwischen in Berlin lebt. Athena Farrokhzad, geboren in Teheran, lebt in Stockholm. Sie verschmilzt in ihrer Dichtung lyrische, politische und konzeptuelle Verfahren. Endre Kukorelly hält den poetischen Spagat zwischen Ungarn und Deutschland, sowie Daryna Gladun, Dichterin aus der Ukraine, und Mirko Bonné, dessen Texte präzise und subtil Schönheit wie Zerstörung unserer Welt fassen.

Unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission

Eine Gemeinschaftsveranstaltung des Hauses für Poesie und der Deutschen UNESCO-Kommission, der Akademie Schloss Solitude, dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD, der Kulturstiftung Schloss Wiepersdorf sowie dem Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia

Mit freundlicher Unterstützung des Collegium Hungaricum Berlin

Die Veranstaltung fand am 21. März statt und wurde aufgezeichnet.

José Lezama Lima (geboren 1910 in Havanna, gestorben 1976 ebenda), der Unbewegliche Wanderer, wie er sich selbst nannte, ist ein Jahrhundertdichter. Neben Alejo Carpentier ist er der große Meister des lateinamerikanischen Neobarocks, das durch eine ironisch überorchestrierte, mit Neologismen angereicherte Sprache, große Gelehrsamkeit und eine sich endlos verzweigende Syntax gekennzeichnet ist. Um ein Äquivalent dafür zu finden, müsste man in der deutschen Literaturgeschichte bis zu Jean Paul zurückgehen.

Mit Mitte 20 schrieb Lezama Lima das heute legendäre Gedicht „Tod des Narziss“, welches anhebt mit dem Vers: „Danae webt die vom Nil vergoldete Zeit“. Es folgten zahlreiche Gedichtbände und Essays, die den Ruhm des Autors stetig mehrten, obwohl er aufgrund seiner Homosexualität in Castros Kuba alsbald in Ungnade fiel. Sein Gesamtwerk wurde gekrönt mit einem Roman-Diptychon, das, laut Julio Cortázar, alle Gattungen mischt und transzendiert: „Paradiso“ und das posthum erschienene „Inferno. Oppiano Licario“. Die ZEIT urteilte über die deutsche Übersetzung von „Paradiso“: „ein irrer Ziegel, den niemand versteht – ein Klassiker.“

Die Übersetzer Léonce W. Lupette und Klaus Laabs sprechen über die damalige und heutige Bedeutung von Lezama Lima und berichten von der Unmöglichkeit, ihn zu übersetzen.

Mit freundlicher Unterstützung des Instituto Cervantes

Die Veranstaltung fand am 14. März im Haus für Poesie statt und wurde aufgezeichnet. Die Aufzeichnung zeigen wir am 21. April ab 19.30 Uhr.

„Halb Taube, halb Pfau 2“ von Maren Kames auf lyrikline.org

„Den Horizont überschreiten“ von H.C. Artmann auf lyrikline.org

Lubi Barre auf lyrikline.org

Ghayath Almadhoun auf lyrikline.org

„An die Nachgeborenen“ von Bertolt Brecht auf lyrikline.org

„komm und sieh“ von Jan Škrob auf lyrikline.org

Lesung & Gespräch mit Polina Barskova Dichterin, Berkeley | Daniel Jurjew Übersetzer und Schriftsteller, Frankfurt am Main | Olga Martynova Dichterin und Übersetzerin, Frankfurt am Main | Moderation Steffen Popp Dichter und Übersetzer, Berlin

Jelena Schwarz (geboren 1948 in Leningrad, gestorben 2010 in Sankt Petersburg) galt als wichtigste Lyrikerin der inoffiziellen Lyrikszene in Petersburg. Ihr Freund, der Dichter Oleg Jurjew, stellte sie in eine Reihe mit DichterInnen wie Alexander Block, Ossip Mandelstamm, Anna Achmatowa oder Marina Zwetajewa. Unter Intellektuellen und SchriftstellerInnen fanden ihre Gedichte zunächst Verbreitung als gebundene Schreibmaschinenkopien, den sogenannten Samisdatbüchern. Mitte der 1980er Jahre erschien Schwarz‘ erster Gedichtband in den USA. In ihrer Heimat wurden ihre Gedichte erst nach der Perestroika gedruckt.

In ihren Texten verbindet Schwarz Verspieltheit mit äußerster Strenge. Sie wusste, die eigentliche Subversion besteht in der Wahrung der Form (einmal sogar mit ironischem Rückgriff auf die Regelpoetik des französischen Klassizismus). Die letzten Dinge werden in ihren Gedichten verhandelt, existentiell und heiter zugleich. Die Röntgenaufnahme ihres Schädels wird genauso selbstverständlich bedichtet wie eine Müllhalde oder das Liebesleben der Zarin Katharina II. Ihr zentrales Thema ist die Begegnung von Mensch und Schöpfergott. Schwarz spricht dabei durch Masken, benutzt antike Mythen und historische Stoffe als Folien.

Schwarz‘ Gedichte wurden das erste Mal in den 1990er Jahren ins Deutsche übersetzt. Jetzt liegt mit „Buch auf der Fensterbank und andere Gedichte“ (Matthes & Seitz 2022) eine großzügige Auswahl aus ihrem Gesamtwerk vor, die von Daniel Jurjew herausgegeben und übersetzt wurde.

Mit freundlicher Unterstützung von ECHOO Konferenzdolmetschen

Quelle YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=SzCHhVXkOKY&t=25s

Mit Klaus-Jürgen Liedtke Übersetzer und Herausgeber | Peter Borum Herausgeber und Literaturwissenschaftler, Kopenhagen | Daniel Falb Dichter, Berlin | Mette Moestrup Dichterin, Kopenhagen | Moderation Maren Jäger Literaturwissenschaftlerin, Berlin

Inger Christensen (geboren 1935 in Vejle, gestorben 2009 in Kopenhagen) war und ist gewiss die Dichterin der letzten Jahrzehnte, die gemeinsam mit Friederike Mayröcker am meisten verehrt wird. Niemand, der dabei war, wird ihre Lesungen vergessen, das weiche Deutsch, die leichte, sich hebende Sprachmelodie. Das beschwörende „die aprikosenbäume gibt es, die aprikosenbäume gibt es“. Nicht allein mit ihren Texten, auch mit ihrer Stimme stellte sie ihre Fragen an die Welt, buchstabierte sie das „alfabet“ der Erkenntnis. Zu hören ist sie auf vielen Aufnahmen, u.a. auf lyrikline.org, zu lesen in schönen Bänden, die vor allem im verdienstvollen Kleinheinrich Verlag herausgegeben wurden.

Gedichte, Erzählungen und Essays aus dem Nachlass versammelt ein Band, den Klaus-Jürgen Liedtke im Kleinheinrich Verlag jüngst veröffentlichte: „Sich selber sehen möchte die Welt“, mit Bildern von Olav Christopher Jenssen. Etliche der Texte schrieb sie auf Deutsch, andere hat Klaus-Jürgen Liedtke nun übersetzt.

Eröffnet wird der Band programmatisch mit Texten an Thomas Kling und Oskar Pastior: „Tote sprechen mit anderen Toten“, beschlossen mit Moments musicaux: Messiaen, Bach, Schubert, Strawinsky lösen Momente der Erinnerung aus. Um Erinnerung, um Archiv und um Weiterwirken wird es in Gespräch und Lesung gehen. Der Herausgeber des Bandes Klaus-Jürgen Liedtke, Peter Borum, der Sohn von Inger Christensen und Hüter ihres Nachlasses, sowie die DichterInnen Daniel Falb und Mette Moestrup lesen Texte und sprechen mit Maren Jäger darüber, wie einflussreich das Werk von Inger Christensen für ihr Schreiben war und ist.

Mit freundlicher Unterstützung der Königlich Dänischen Botschaft und ECHOO Konferenzdolmetschen

Lesung & Gespräch mit Tobias Schwartz Schriftsteller und Übersetzer, Berlin | Gudrun Weiland Literaturwissenschaftlerin, Greifswald | Heidi König-Porstner Übersetzerin, Wien | Moderation Manuela Reichart Literaturkritikerin, Berlin

Warum jetzt? Warum nicht früher? Sie sind Schwestern im Geiste, im Verlangen nach Freiheit und Selbstbestimmung, nach Bildung und Lust. Sie waren Nonne, Spionin, freie Autorin, Gelehrte, Reisende, sie schrieben über Liebe, Kolonialismus, Gendertrouble, Tod und Krieg. Sie lebten im 17. Jahrhundert in Greifswald, London, Mexiko. Sie sind veritable Dichterinnen und Feministinnen avant la lettre – und sie waren zu lange, ja was? Verdeckt unter Textbergen aus männlicher Feder? Nicht publiziert, weil kein Interesse und kein Geld zu verdienen?

Völlig unbekannt waren sie nicht, es erschienen zuweilen Publikationen. Virginia Woolf rühmte Aphra Behn in „Ein Zimmer für sich allein“, Octavio Paz verfasste eine Biografie über Sor Juana, die verfilmt wurde, und Sibylla Schwarz nannte man „die pommerische Sappho“. Jetzt allerdings ist auffällig, dass Bestrebungen sich kreuzen: Im Konkursbuch-Verlag erschien 2017 Sor Juana Inés de la Cruz, Nichts Freieres gibt es auf Erden. Übersetzt und Herausgegeben von Heidi König-Porstner, im Aviva-Verlag, Aphra Behn: „Ich lehne es ab, meine Zunge im Zaum zu halten“, übersetzt und herausgegeben von Tobias Schwartz. Secession publizierte 2021 Sybilla Schwarz: „Ich fliege Himmel an mit ungezähmten Pferden“, herausgegeben von Gudrun Weiland. Erwähnt sei unbedingt auch die Werkausgabe von Sibylla Schwarz bei Reinecke & Voss.

Der Abend versammelt die HerausgeberInnen und ÜbersetzerInnen, die im Gespräch mit der Moderatorin Manuela Reichart das überraschende und reiche Werk, die Geschichte ihres Vergessens und Erinnerns und die Frage, warum jetzt das große Interesse virulent ist, diskutieren – und Texte lesen.

Der Literaturkritiker und Dichter Nico Bleutge hat für uns „seine“ besten Lyrikdebüts des Jahres 2021 ausgewählt. Er begründet seine Auswahl wie folgt:

Ronya Othmann faltet in ihrem Gedichtband „verbrechen“ (Carl Hanser Verlag) ein Gelände voller Narben auf. Ein „müdes, müdes land“, wie es einmal heißt, das andernorts den Namen Kurdistan trägt. Ihre genau rhythmisierte Sprache löst Grenzen auf und verbindet eigene Erinnerungssuche mit historischer Recherche: „als sähest du dir fotos an, die jemand durch ein / autofenster geschossen hat und in denen sich ein polster, / ein kopf, ein arm im himmel spiegeln“.

Eine Wunderkammer voller Sprachspiele auf den Spuren von Oulipo & Co. – das ist Hannes Fuhrmanns „Wunderschöner Berg“ (poetenladen Verlag). Mithilfe selbstgesetzter Regeln zerlegt er Gedichte von Friederike Mayröcker oder Dagmara Kraus bis auf die letzten Buchstaben – und schafft sich so Material und Raum für eigene Findungen: „dichtes Gestrüpp, Stab Stab, Fehlgestrüpp fingerdick / Dickichtweiß, vom Blatt gelesen: dichtes Schichtweiß“.

Der Titel deutet es schon an: Ingrid Mylo geht in „Überall wo wir Schatten warfen“ (edition AZUR im Verlag Voland & Quist) verdeckten Orten und den blinden Flecken in der Wahrnehmung nach. Dabei nimmt sie bekannte poetische Muster und lädt sie neu auf. Hier können Gedichte den Blick freibrennen, um von Staub zu sprechen, von Müdigkeit und von den Rissen der Liebe – „während die Bilder / zerfallen wie Schmetterlingsflügel“.

Die DebütantInnen lesen aus ihren Büchern und werden von Nico Bleutge dazu befragt.

Es ist wie Atlantis in echt: Doggerland lag zwischen der Britischen Insel und Dänemark, war besiedelt vor ca. 11.0000 Jahren und wurde vor ca. 8000 Jahren überflutet. Die Menschen flohen. Bestürzend ist die klimatische Spiegelung in der Gegenwart.

Ulrike Draesner liest aus doggerland. Mit Luc Amkreutz, der im Nationalen Museum für Altertümer der Niederlande die Ausstellung „Doggerland“ verantwortete, und dem Moderator Asmus Trautsch spricht sie über die historischen und höchst aktuellen Verschränkungen von Menschen- und Sprachengeschichte, von feministischen Korrekturen eingeschriebener Überlieferung und von poetisch präziser Verantwortung.

Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin und des Penguin Verlags

Lesung & Gespräch mit Dagmara Kraus Dichterin, Hildesheim | Ferdinand Schmatz Dichter, Wien | Moderation Gregor Dotzauer Literaturkritiker, Berlin

In der achten Veranstaltung der Reihe „Das Gedicht in seinem Jahrzehnt“ begegnen sich die DichterInnen Dagmara Kraus (geboren 1981 in Wrocław) und Ferdinand Schmatz (geboren 1953 in Niederösterreich).

Zwei DichterInnen, zwei Generationen und fünf Jahrzehnte der Dichtung – gemeinsam mit dem Moderator Gregor Dotzauer durchqueren Dagmara Kraus und Ferdinand Schmatz die zurückliegenden Jahrzehnte von den siebziger Jahren bis in die Gegenwart. Sie wählen deutschsprachige und internationale Gedichte aus, die sie in einer bestimmten Zeit besonders geprägt haben. Von Diether Roth bis Inger Christensen, von Nichita Stănescu bis Mila Haugová. Hinzu kommen eigene Texte, die von dieser Prägung zeugen. So entsteht eine sehr persönliche, lebendige, von komplizenhafter Erfahrung gesättigte Dichtungsgeschichte, die sich in einem konzentrierten Gespräch entfaltet.

Mit freundlicher Unterstützung des Österreichischen Kulturforums Berlin

Lecture Performances von Elena Kaufmann | Frauke Gerstenberg | Anja Engst | Julia Dorsch | Anke Dörsam | Seda Tunç | Adela Sophia Sabban | May Mergenthaler | Marielle Matthee | Benedikt Kuhn | Moderation Asmus Trautsch

Die Lyrik tauscht sich seit ihren frühesten Überlieferungen intensiv mit anderen künstlerischen Medien und Erscheinungsformen aus: Sie wird gesungen, getanzt, sie erzählt, dramatisiert, erschafft Bilder, baut Versarchitekturen. In der Moderne hat sie lebhaft Teil an der von Adorno diagnostizierten „Verfransung der Künste“ und verwebt sich mit Bildern, tritt im Film auf, wird durch Körper performt, an Fassaden geschrieben…

Gegenwärtig verbinden vermehrt DichterInnen in ihren Schaffensprozessen poetisches Sprechen konstitutiv mit Inszenierung, Performance, mit Bildmedien wie Videos, Land Art oder Installation, ohne dass dabei gedruckte Gedichte der Ausgangspunkt sind. Vielmehr entsteht poetische Kunst in intermedialen Beziehungen. Ihr muss sich auch die Lyrikkritik öffnen und Vokabular und Ansätze entwickeln, die der Multi- oder Intermedialität solch lyrischer Arbeiten gerecht werden.

Dazu wurden in einem Workshop mit Caroline Bergvall und Beate Tröger ausgiebig Diskussionen geführt. Und dazu sind neue Videos der TeilnehmerInnen entstanden, mit denen der in der Akademie seit Sommer 2021 bearbeitete Schwerpunkt medialer Erweiterung von Lyrikkritik abgeschlossen wird.

Auf dem #kanalfuerpoesie finden Sie bisherige und kommende Videoproduktionen der Akademie für Lyrikkritik sowie zahlreiche weitere Lesungen, Gespräche und Performances aus dem Programm des Hauses für Poesie.

Die Akademie für Lyrikkritik am Haus für Poesie wird aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds gefördert. Mit freundlicher Unterstützung von Literaturport